Wir sind also vor knapp zwei Wochen per Boot nach Panama aufgebrochen.
Panama hat die Form eines Siphons, der im Süden an Kolumbien und im Norden an Costa Rica grenzt. Das Land ist knapp doppelt so gross wie die Schweiz und beherbergt aber nur 3.3 Millionen Einwohner. Die Währung hier heisst Balboa, genannt nach dem Seefahrer Vasco Núñez de Balboa, der im Jahre 1513 wohl als erster Panama durchquerte. Ein Balboa entspricht einem US-Dollar. Nur Münzen, kleiner als ein Dollar, gibt es in Balboas, alles andere wird in US-Dollars bezahlt – völlig überflüssig.
Von Capurganá ging’s per Boot also zur Grenze nach Puerto Obaldía. Dort gelangten wir zu einer „Militärfestung“, wo wir zuerst mal all unser Gepäck auspacken durften. Wer aus dem bösen Drogenland Kolumbien kommt, muss beweisen, dass er nichts schmuggelt… Schon komisch, in Ecuador und auch hier in Panama reden fast alle Einheimischen schlecht über Kolumbien, dabei waren sie noch nie dort und wissen gar nicht, was sie verpasst haben! Nun gut, die Zollkontrolle war eine reine Machtdemonstration. Nach knapp zwei Stunden war der Spuck dann auch vorbei und wir nahmen die letzten zweieinhalb Stunden in Angriff – bei wolkenlosem Himmel und relativ ruhiger See, fantastisch. Wir kamen dann in Caledonia an, der südlichsten bewohnten Inseln des San Blas Archipels (heute eigentlich Kuna Yala Archipel). Die Bewohner dort, die Kunas, sind eine relativ junge indigene Gruppe und stehen quasi unter örtlichem „Heimatschutz“. Sie haben aber ein paar eigenartige Angewohnheiten und sind nicht unbedingt für ihre Freundlichkeit bekannt. Sie verstehen aber einfach auch noch nicht, wie man mit dem Tourismus umgehen muss bzw. soll, aber wie man Geld macht, wissen sie bereits. Eine Tradition dort ist beispielsweise, dass Männer mit 13, Frauen mit 15 Jahren verheiratet werden. Die Frauen müssen sich dann ihre Haare kurz schneiden und sich so farbige Bändel um die Beine binden. Irgendwoher vom Festland gab‘s auf der Insel eine Frischwasserleitung, Strom kommt ausschliesslich von den Solarpanels und der Abfall wird einfach ins Meer geschmissen oder auf einer der abgelegenen Inseln verbrannt… ausser die Glasflaschen, die haben Pfand drauf. Aber aller andere Müll schwimmt gelegentlich an einem vorbei, wenn man am Schwimmen ist. Die WCs waren der Hammer. Ein Steg raus aufs Meer, dann vier Wände und in der Mitte ein Loch. Schön – und gleich nebenan kann man schwimmen gehen… Oli wusste das zu Beginn noch nicht J Wir mieteten uns dann einen Einbaum zu einer der vielen, paradiesischen Inseln. Wir wussten da auch noch nicht, dass praktisch jede Insel privat ist. Dort angekommen, dauerte es dann einen langen Moment, bis die Einheimischen erkannten, dass wir „ohne Erlaubnis“ auf der Insel waren und wurden dann zu Recht gewiesen. Am Folgetag baten wir im Voraus um Erlaubnis und wurden – 4 Personen – für insgesamt ganze 5 Dollar in einem etwas grösseren Einbaum zur Insel rüber gerudert. Die Nacht verbrachten wir im einzigen „Hostel“ der Insel – in Hängematten. Restaurants gab es auch nur zwei, Essen gab’s für 2-4 Dollar.
Danach ging’s Richtung Festland. Um 5 Uhr morgens sollte das Boot los – wie so üblich dauerte auch dies etwas länger, aber kurz vor 6 Uhr ging’s dann wirklich los. Knapp 20 Personen – unterwegs stiegen noch einige dazu – ganz viel Gepäck und wir mal wieder in der zweit vordersten Reihe, wo unsere Rücken die Wellen abfedern durften. In den „Buchten“ hintern den Inseln gibt’s kaum Wellen, aber die Inseln liegen teils wirklich sehr, sehr weit auseinander, so dass die Fahrt quasi aufs offene Meer führte. Wir steuerten geradewegs auf eine immer dunkler werdende Zone hin und plötzlich waren wir mitten drin. Der Wellengang wurde immer stärker, der Kapitän fuhr immer langsamer, bis er schliesslich den Motor abstellte. Die Wellen schwappten ins Boot, das Festland war nirgendwo mehr erkennbar und der anfangs noch muntere Oli wurde immer blasser. Er glaubte wirklich für einen Moment lang, „das war’s nun“ – aber es ging weiter. Nach insgesamt 6 Stunden kamen wir dann endlich auf dem Festland in Cartí an. Von Cartí gibt’s Kleinbusse (4x4), die die Passagiere nach Panama-City fahren. Cartí besteht eigentlich nur aus der Anlagestelle, der „Buswartehalle“ und einem Restaurant. Wir waren insgesamt rund 80 Passagiere und es gab gerade mal 5 „Busse“. Wir durften daher also satte 4 Stunden auf eine Transportmöglichkeit in die Stadt warten. Dies die einzige Möglichkeit, um in die Stadt zu kommen. Der Fahrer war ein Vollidiot und nachdem Oli ihn in seinem begrenzten Spanisch zu Recht wies, wollte er uns unsere Rucksäcke zurück behalten. Widerwillig bezahlten wir dann den völlig überrissenen Betrag, aber ein paar Bier später war (fast) alles wieder vergessen.
In Panama-City stehen so viele Hochhäuser, wie in keiner mir bekannten lateinamerikanischen Stadt und geben der Stadt eine schöne Skyline. In der Stadt drin ist es jedoch genau gleich, wie in jeder anderen lateinamerikanischen Grossstadt: dreckig, lärmig und chaotisch. Das rascheste Verkehrsmittel sind Taxis. Die sind sehr billig, aber nicht jeder Fahrer fährt überall hin. Oft halten auch leere Taxis schon gar nicht an. Panamesen sind ja wirklich kein freundliches Volk, aber die Taxifahrer hier sind noch viel schlimmer. Es ist halt auch ein „Schock“, wenn man von Kolumbien kommt, wo alle Leute so herzlich und nett sind und dann in Panama landet…
Leider regnete es jeden Nachmittag. Jaja, Petrus meinte es nicht gut mit uns in Panama…
Nachdem wir die koloniale „Altstadt“ erkundet hatten, machten wir uns auf die Suche nach einer Shopping-Mall – viel anderes blieb bei dem Wetter nicht übrig. Wir wurden beim grossen Busbahnhof fündig: eine riesige Einkaufshalle mit hunderten von Shops, sowie drei grossen Food-Corners. Viele Markenartikel gibt’s dort regulär zum halben Preis J
Abends ging’s jeweils ins Reichenviertel, das mit vielen schönen Restaurants lockt. Wir merkten aber auch, dass sich abends diese Zone in ein einziges Puff verwandelt. Überall stehen Prostituierte und jeder Taxifahrer schlug vor, über einen Umweg nach Hause zu fahren… naja, sorry.
Natürlich durfte ein Ausflug zum Panama-Kanal nicht fehlen. Wir kamen grad rechtzeitig an, um zwei grosse Schiffe bei der Miraflores-Schleuse zu sehen. Die Schiffe müssen angehoben werden, da das Bodengestein zu hart war. Daher wurden drei grosse Schleusen gebaut, um die Schiffe über das Meeresniveau anzuheben und so die rund 80km quer durchs Land zu schiffen. Die Passage dauert insgesamt rund 8 Stunden und kostet im Durchschnitt etwa 50‘000$US (abhängig von der Grösse des Schiffes). Ein Museum zeigt die Geschichte des Kanals, vom gescheiterten Bau der Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Weiter zeigen sie dort einen Promo-Film im amerikanischen Stil. Panama scheint schon ein kleines Amerika zu sein, nur dass wohl leider nur ein kleiner Teil in der Hauptstadt von all dem finanziellen Ruhm des Kanals profitiert.
Wir hatten dann noch zwei weitere Tage zu Tode zu schlagen und schafften dies erfolgreich in der Albrook-Shopping-Mall. Und beim Coiffeur waren wir noch – immer wieder lustig hier.
Mit dem Nachtbus ging’s dann nach Bocas del Toro an der Karibikküste im Norden des Landes. Petrus liess auch dort schon am frühen Morgen die Korken knallen und schüttete den Flascheninhalt auf uns runter… Ausser ein paar Stunden Sonnenschein an zwei Nachmittagen, blieb es die restlichen fünf Tage mehrheitlich bewölkt und regnerisch. Bocas del Toro ist ein Touristen-Magnet: Sprachschulen, Surfen, Tauchen und eine ausgelassene Club-Scene. Und im Weiteren ein riesiger Drogenumschlagplatz. Ich staunte nicht schlecht, als ich abends in der Disco praktisch immer irgendeinen Typen vor mir auf dem Klo sniffen sah. Und wenn man die Drogen ablehnt, wird man oft schräg angeguckt.
Zurück ging’s wiederum per Nachtbus, diesmal etwas bequemer und schneller. Jetzt verbrachten wir nochmals zwei Tage in Panama-Stadt. Nochmals Shopping und gut Essen waren angesagt J zudem ist das Wetter jetzt etwas besser. Es ist erdrückend heiss und wir freuen uns schon fast über den abkühlenden Regen. Viel mehr freuen wir uns aber auf morgen, dann geht’s zurück ins schöne Kolumbien. Um 12:30 Uhr werden wir in Cartagena landen und dort Weihnachten verbringen. Silvester dann in Santa Marta.
Oli und ich wünschen allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Hasta pronto.
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