Top of Cotopaxi, 5897m

Dienstag, 27. September 2011

Guatemala

In Antigua Guatemala, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, blieb ich nur eine Nacht, da am Sonntag Präsidentschaftswahlen waren und somit ab Samstagmittag „alles“ geschlossen war. Es darf auch kein Alkohol verkauft werden, weshalb die meisten Restaurants und praktisch alle Bars geschlossen sind. Darum fuhren wir weiter zum Lago Atitlan auf 1600m. Eine wunderschöne Gegend. Drei markante Vulkane umgeben den See, welcher etwa ¼ der Fläche des Bodensees ausmacht. Ich wollte dann am kommenden Tage auch Gleitschirmfliegen über dem See, das Wetter spielte aber leider nicht mit – Regenzeit halt… L
So besuchte ich die umliegenden Dörfer per Kayak und Schnellboot. Da natürlich auch hier gewählt wurde, war am Sonntag auch nicht ganz alles offen, aber am See lässt sich die Zeit einfacher geniessen als in einem Hostel in einer Stadt, jedoch ist baden in dem doch ziemlich verschmutzten See nicht unbedingt die 1. Wahl… Die Wahlen sind ein riesen Event für die Bevölkerung hier und überall hängen Plakate und zeigen auch gleich, WIE man das Kreuz auf dem Wahlzettel machen muss… Die Guatemalteken hatten 5 Personen zur Auswahl, die beiden Favoriten machten dann auch das Rennen und es kommt im November zu einer Stichwahl zwischen dem „Mafiosi“ und dem „Völkermörder“… die Qual der Wahl, das geringere Übel wird dann hoffentlich gewinnen…
Vom See nahm ich dann wieder einmal einen öffentlichen Bus weiter ins Hochland nach Quetzaltenango, kurz auch Xela genannt (Abkürzung des Maya-Namens). Da am 15. September auch noch der Unabhängigkeitstag (Nationalfeiertag) Guatemalas war und das halbe Land nach Xela kam, war ziemlich viel los und mir wurde vorausgesagt, dass ich die nächsten vier oder fünf Tage hier wohl kaum weg komme… jeder sagt etwas anderes, keiner weiss jeweils genau, was wie wo, aber alle haben immer eine Antwort.
In Xela traf ich Steph und Livia, meine ehemalige Nachhilfe-Schülerin aus Bern J zu dritt war es dann auch einfacher, Touren zu buchen – alleine hätte ich keine Tour buchen können während dieser Fest-Zeit! Wir entschieden uns für den Vulkan Tajumulco, den höchsten Berg Zentralamerikas (4220m.ü.m). Von der Zweitagestour wurde uns aufgrund der hohen Regenwahrscheinlichkeit, welche v.a. nachmittags und abends zu tragen kommt, abgeraten, so dass wir den Berg in einem Tag erklommen. Um 4:30Uhr ging’s los. Mit der alten Klapperkiste dauerte die Fahrt zum Fusse des Vulkans aber rund zweieinhalb Stunden L nach knapp drei weiteren Stunden erreichten wir dann den Gipfel – leider zogen immer mehr Wolken auf, aber wir konnten einige Blicke bis zum Pazifik erhaschen. Die Aussicht war echt gigantisch, jedoch jeweils nur für sehr kurze Momente. Der Aufstieg war im Übrigen nicht sehr schwierig, einfach die Höhe erschwert das Atmen natürlich ein wenig.
Am Abend gab’s dann noch eine gratis Salsa-Tanzstunde dazu J Als Einführung ganz gut – mehr werde ich mir dann wahrscheinlich in Kolumbien oder so gönnen! Danach waren wir aber so müde, dass wir nicht an der grossen Party auf der zentralen Plaza teilnahmen bzw. nur kurz. Ein riesen Fest, das so etwas wie ein grosses Strassen-Stadtfest gemischt mit einem Fasnachtsumzug repräsentierte. Und eben, extrem viele Leute. Am nächsten Morgen ging’s um 5 Uhr bereits wieder zum nächsten Vulkan und es waren immer noch viele Leute auf der Strasse. Eigentlich wollten wir Lava sehen, der Vulkan Santiaguito ist aber im Moment „müde“ und wir konnten keine Eruption sehen L aber die Aussicht war wunderschön.
Nach Xela ging ich wieder zurück nach Antigua. Ich hatte die Stadt ja quasi übersprungen und wollte unbedingt nochmals zurück, denn die Koloniale Stadt ist sehr gemütlich und schön.
Da selbst die Leute an der Rezeption im Hostel wo ich war noch nie auf dem Pacaya-Vulkan waren und mir keine Auskunft darüber geben konnten, lud ich sie ein, mit mir den Vulkan zu besteigen, was dann auch wahr genommen wurde ;-) Der Pacaya-Vulkan ist ebenfalls bekannt dafür, dass man Fotos neben fliessender Lava knipsen kann. Dieser Mythos die Führer plötzlich ehrlich und gestehen sogar, dass seit der letzten Eruption vor knapp anderthalb Jahren keine Lava mehr gesehen werden kann… jaja, die Guatemalteken haben wirklich ein Flair dafür einem Dinge zu verkaufen, die überhaupt nicht existieren – natürlich hatte ich zuvor, wie denn die Situation heute aussieht, aber da wird einfach gelogen, was das Zeugs hält… sie wollen ja schliesslich nur mein Geld.
In Antigua traf ich dann Tristan, Philippe und Lukas aus Bern. Gemeinsam ging’s dann weiter nach Sémuc Champey im zentralen Hochland. Der Ort ist ein weiterer Touristen-Magnet in Guatemala. Bekannt und berühmt für die schöne Natur und die 300m lange Naturbrücke aus Kalkstein mit zahlreichen Becken, die mit frischem Flusswasser durchspült werden und eine herrliche Kulisse beim Schwimmen bieten. Zuvor ging’s noch in die Höhlen von Semuc. Eine zweistündige Tour mit Kerzen im Wasser durch die Höhle gehend, teils schwimmend und kletternd… eigentlich war die Tour recht gefährlich – jedenfalls könnte man so etwas ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen und mit nur einem Führer für über 20 Leute in der Schweiz aus rein rechtlichen Gründen wohl nicht machen.
Nach zwei Nächten in Semuc gings dann weiter nach Flores, dem Ausgangspunkt für eine Tour zu den berühmten Maya-Ruinen in Tikal.
Die Fahrt nach Flores war – wie fast immer in Guatemala – mit einem Minivan. Der Fahrer hatte schon kleine verschlafene Augen als wir los fuhren. Mal fuhr er wie ein Raser, mal sehr langsam, insbesondere wenn er grad mal wieder telefonierte… beim zweiten Stopp verschwand er dann kurz auf dem Klo und kam putzmunter wieder zurück – „Jufli-Pulver“ lässt wohl grüssen… aber lieber so als auf Entzug. Nun gut, abgesehen davon, dass die Fahrt einmal mehr viel länger dauerte als geplant, der Platz im Bus sehr beschränkt und die Hitze nur knapp erträglich war, erreichten wir Flores unbeschadet. Im Bus lernte ich einen weiteren Philipp aus dem Vorarlberg kennen. Er hatte auch von den noch beinahe unberührten Ruinen in El Mirador gehört. Ich hatte ebenfalls davon gelesen und wollte mich in Flores erkundigen. In El Mirador stehen die grössten und höchsten Tempel der Maya-Welt und der Ort ist nur mit einem abenteuerlichen und anstrengenden 5-Tages-Trekk erreichbar. Für nur zwei Personen war die Tour aber sehr teuer, weshalb wir noch abwarteten um zu schauen, ob sich noch mehr Leute dafür interessieren.
Daher ging’s dann am Folgetag zuerst nach Tikal. Tikal ist sehr touristisch, aber sehr sehr beeindruckend! Und die Aussicht, die man heutzutage von den Tempelspitzen über den Urwald hat ist einfach atemberaubend. Die Tempel hier sind etwas älter (ca. 250 – 900 n.Chr.) als jene in Copan und die ganze Anlage ist deutlich grösser und imposanter.
Zurück in Flores machten sich Philipp und ich weiter auf die Suche nach mehr Leuten für die Tour nach El Mirador. Als wir dann eine Agentur fanden, die einen einigermassen tragbaren Preis anbot, waren wir überglücklich. Alles wurde schriftlich festgehalten und wir unterzeichneten den „Vertrag“. Eine halbe Stunde später, nachdem wir unser Geld im Hostel geholt hatten, sah das Ganze dann plötzlich wieder ganz, ganz anders aus. Die Tour fand als doch nicht statt. Wir verhandelten wirklich stundenlang, aber es war nichts zu machen. Nach vier Tagen Suchen und Stürmen verging uns dann langsam aber sicher die Lust an der Tour, obwohl es natürlich eine einmalige Angelegenheit gewesen wäre. Aber die Tour-Agenten logen auch hier alles zusammen, was überhaupt möglich war – leider…
So fuhren wir am nächsten Tag über die Grenze nach Belize, wo wir nun auf Caye Caulker angekommen sind. Morgen früh wird mal wieder eine Tauchausrüstung montiert und ich stürze mich ins Blue Hole um dem zweitgrössten Riff der Welt einen Besuch abstatten und hoffentlich mit Haien und Schildkröten etc. tauchen zu können.

Guatemala ist ein sehr schönes, aber armes Land. Die Leute sind sehr hilfsbereit und freundlich – ausser gewisse im Tourismus arbeitende Leute, die z.T. wirklich extrem mühsam werden können. Die Armut ist sehr hoch, entsprechend „gefährlich“ ist es hier – wenn man sich als Tourist aber an gewisse „Regeln“ hält, hält sich auch dies in Grenzen. Ich hatte zumindest nie Probleme. Bankomaten hier sind aber teils „getürkt“, so dass einem irgendwie die Kontodaten geraubt werden während eines Bargeldbezuges und – so geschah es einem Australier im gleichen Hostel – täglich ein gewisser Betrag abgebucht wurde… oder dass einem an jeder Strassenecke Drogen angeboten werden, gehört hier irgendwie einfach zur Tagesordnung… wirklich schade, dass in einem solch schönen Land die Korruption überhand hat und entsprechend die Schere im Sozialsystem extrem weit gespreizt ist…

Montag, 19. September 2011

Land & Leute

Ich glaube, es ist an der Zeit einmal einige Dinge zu beschreiben, die in den Reiseberichten untergehen… Land und Leute hier sind ja so anders als zuhause. Die Mentalität ist ganz anders, das Handeln und Denken manchmal so ungewohnt – vieles funktioniert einfach ganz anders – aber es funktioniert…

Verkehr:
Die Stassen hier sind oftmals der Wahnsinn. Jeder der bei uns über Baustellen mit nachfolgendem Stau jammert, der soll mal auf diesen Strassen hier fahren. Ich sage euch, Schlaglöcher sind viel, viel schlimmer und behindern den Verkehr deutlich mehr als eine Baustelle – also seid froh, wenn die Strassen regelmässig erneuert werden und klagt nicht über den Stau!!
Eigentlich passt jeder gut auf den anderen auf, obwohl jeder den Vortritt erzwingen möchte… Unfälle sieht man selten, wenn, dann aber sehr schlimme.
Radwechsel am Strassenrand gehört zum Alltag.
Busfahren:
Als erstes muss man mal wissen, wo welcher Bus fährt. Oft gibt es mehrere Busstationen und ein Busfahrplan wie bei uns gibt es nicht. Busse sind nicht immer angeschrieben und das Ticket wird im Bus drin gekauft, wie teuer das Ticket ist, erfährt man meist erst, wenn man es bezahlen muss – gelegentlich zahlt der Ausländer auch etwas mehr…in der Regel so 1$US pro Stunde Fahrzeit.
Oftmals ist quasi jede Strassenecke eine Haltestelle, sprich, man kann den Bus einfach anhalten und einsteigen. Auch wenn der Bus übervoll ist, wird an Haltestellen herumgeschrien und Leute „angeworben“, oft wird auch fahrend ein- und ausgestiegen.
An den Bus-Terminals kommen immer mehrere Verkäufer nacheinander und gehen mit ihren Getränken, Gebäcken, Glacés etc. durch den Bus (man kann diese Busse durch die Hintertür wieder verlassen). Lustig finde ich einfach, dass einer nach dem anderen hereinkommt und genau das gleiche verkauft, wie der vorherige, dem auch schon niemand etwas abgekauft hat…
Während der Busfahrt läuft meistens Musik, oft Radio mit sehr schlechtem Empfang – aber wenigstens kriegt man einen Teil der Nachrichten mit ;-) Die Musik die hier im Radio gespielt wird, entspricht mehr oder weniger unserer westlichen Hitparade, jedoch spielen sie die Lieder mit spanischem Text, was sehr amüsant ist. Und natürlich viele „spanische“ Hits.
Gelegentlich steigen Prediger zu, die dann während der Fahrt aus der Bibel vorlesen, predigen und die Leute zu einem besseren, religiöserem Leben auffordern…
In jedem Bus gibt es mindestens ein Schild/Spruch, wo drauf steht „Jesus beschütze diesen Bus“ oder so ähnlich. Daneben hängen meist auch Schilder „Abfall nicht aus dem Fenster werfen“, jedoch machen dies viele Leute trotzdem… einmal stand eine Polizistin am Busterminal, die dies kontrollierte und die entsprechenden Personen aufforderte, den Müll sachgerecht zu entsorgen!
Einmal hatte mein Bus einen „Platten“. Amüsantes Ereignis… niemand musste aussteigen, der Bus rammelvoll und das Reserverad (das wie alles andere grosse Gepäck auf dem Dach transportiert wird) wurde bei vollem Bus montiert.
Trotz der offensichtlich vielen Nachteile fahre ich sehr gerne mit den „Chicken-Bussen“ (öffentliche Busse). Denn die Sitze sind höher und breiter als in einem Minivan, welche hier als „Shuttle“ benutzt werden, womit ich etwas mehr Beinfreiheit kriege J Busfahren hier ist immer irgendwie ein highlight – es steckt voller Überraschungen.
Einheimische fahren übrigens häufig auf den Ladeflächen von Pick-ups. Das ist sehr witzig und wenn man Glück hat sogar gratis ;-)
Essen:
Alles wird fritiert. Die Ernährung ist sehr reich an Kohlenhydraten (Reis, Bohnen, Kartoffeln, Yuca), Gemüse wird eher spärlich verwendet, obwohl es auf dem Markt in grossen Mengen angeboten wird.
Die Salatsauce besteht in der Regel aus einer mitgelieferten Zitrone, welche man selber über dem Salat auspressen darf. In touristischen Orten hält aber die Mayo auch Einzug… dort kriegt man auch alles andere, europäisch-amerikanische Essen – und ganz viel Fast-food…
Zu trinken gibt es meistens irgendwelche Süssgetränke – Coca Cola, 7Up, Sprite und co lassen grüssen. Oder ein refresco, ein „Erfrischungsgetränk“, jeweils auch mit einigen Löffeln Zucker zuviel – kein Wunder sieht man hier viele dicke Leute…
Das beste Getränk ist der frisch gepresste Orangensaft auf der Strasse. 6-10 Orangen frisch halbiert und ausgepresst für maximal 70 Rappen – fantastisch.
Gesundheit:
Das geschulte Auge sieht hier viele behinderte Leute – habe gemerkt, dass dies nicht allen auffällt. Aber es gibt viele Leute mit z.T. gut versteckten Behinderungen an den Extremitäten. Hinken ist auch weit verbreitet, aber kein Wunder wenn man sieht, was die Leute hier alles schleppen.
Auch Kraniofaziale Dysmorphien sind weit verbreitet. Augenleiden, insbesondere grauer Star und eingeschränkte Sehstärke sind sehr häufig. Neurologische Störungen, v.a. leichtgradig geistig retardierte Leute trifft man nicht selten – ob vieles davon auf die schon ziemlich einseitige Ernährung zurückzuführen ist?
Ein staatliches Gesundheitssystem scheint es in keinem dieser Länder zu geben. Alles muss man selber berappen – entsprechend gehen die Leute natürlich erst ins Spital, wenn’s ganz schlimm oder zu spät ist. Hausärzte: jeder, der das Studium beendet hat, ist quasi automatisch Hausarzt. Die meisten haben dann eine Spezialisierung in einem chirurgischen Fach, operieren also an einigen Tagen pro Woche und sind sonst in ihrer „Praxis“.
Umweltschutz:
Wie schon einmal geschrieben, existiert der Begriff der Nachhaltigkeit sowie des Umweltschutzes. Die praktische Umsetzung dieser theoretischen Begriffe ist noch schwieriger als bei uns. Die meisten Leute hier verstehen einfach nicht, was damit gemeint ist bzw. was sie tun oder eben nicht tun müssen, damit dies auch umgesetzt werden kann. Kein Wunder, früher hat man die Bananenschale einfach noch aus dem Fenster geworfen, warum soll man dies mit der Kecks-Verpackung oder der PET-Flasche nicht auch tun? Mann und frau tat dies hier schon immer so – nur gab es damals halt noch kein Plastik… für die meisten Leute fehlt wahrscheinlich einfach die Entwicklung bzw. der „Evolutionsverlauf“ der Dinge. Plötzlich steht die PET-Flasche da und keiner weiss, warum und woher. Alle wissen aber: die reichen Amerikaner und Europäer haben dies auch – also muss es gut sein. Nur versteht die ungebildete Mehrheit (oder die Mehrheit der Ungebildeten?) nicht, warum man den Abfall nicht wegwerfen soll…
Mentalität/Verschiedenes:
Ausländer werden in Lateinamerika als „Gringos“ bezeichnet. Manchmal bezeichnen sie nur die Amerikaner als Gringos, manchmal sind damit alle Ausländer gemeint. Woher stammt aber der Name? Ursprünglich war dies wirklich „nur“ für die Amis gedacht, die hier in ihren grünen Armee-Klamotten einfuhren und die Einheimischen sagten „green, go (home)“ – Grin-go…
Wer hier eine Frage stellt, kriegt immer eine Antwort. Latinos sagen nie, sie wissen es nicht, auch wenn sie komplett falsch ist. So kann man manchmal kreuz und quer durch eine Stadt irren, wenn man etwas Bestimmtes sucht, weil jeder wieder eine andere Richtung angibt…
Die Privatsphäre hat einen kleinen Stellenwert… die Brust geben an öffentlichen Plätzen ist keine Seltenheit, ebenso das umher Urinieren an jedem erdenklichen Ort, z.B. ans Rad des Busses.
Stellenwert der Frau: sehr, sehr unterschiedlich! In Nicaragua waren die Leute meines Erachtens am freundlichsten – so auch den Frauen gegenüber. Den Frauen wird z.B. im Bus Platz gemacht und sie werden sehr freundlich und vornehm behandelt. In Costa Rica, Honduras und Guatemala ist dies anders… hier scheint der Stellenwert der Frau deutlich tiefer zu sein, der Umgang ist nicht zu vergleichen mit Nicaragua.
Auf dem Land hat praktisch jeder eine Machete dabei. Nein, keine Kleine…selbst Kinder tragen Macheten, die bis in die Gummistiefel reichen.
Jene, die in die Schule dürfen bzw. sich eine Schule leisten können, tragen Schuluniformen. Schulen, Hochschulen etc. sind aber irgendwie so organisiert, dass man entweder abends ein paar Stunden „studiert“ oder am Mittag schon fertig ist…
Auf dem Markt kriegt man in der Regel ALLES! Meistens sind die Gemüse-Märkte direkt neben den „Handwerks-Märkten“. Vom Handy über Teppich, Kerzenhalter, Kleider bis zum Kinderspielzeug.
Etliche streunende Hunde, die sehr eingeschüchtert sind und mehr Angst vor Touristen haben als umgekehrt gibt es in jeder Stadt. Auf dem Land sind sie noch zahmer und leben gemeinsam mit den Hühnern, Gänsen, Schweinen und Katzen in der Küche oder dem Platz davor…
Handy: jeder hat eines und benutzt es auch nicht selten… Blackberries sind sehr beliebt und kosten ca. Fr. 200.- (inkl. Abo mit Gratisminuten).
Supermärkte sind auch lustig. Mirgos/Coop-ähnliches gibt es nicht. Alles direkt aus der Kiste – à la Denner/Aldi; funktionell halt. Hygieneartikel sind verhältnismässig extrem teuer, dafür kriegt man viele unserer Marken auch hier! Kioske sind manchmal völlig geschützt hinter Eisenstangen. An Kiosken bekommt man viele Dinge einzeln, sei dies eine Tablette AlkaSeltzer®, eine einzelne Zigarette oder einen einzelnen Kaugummi.
„Arbeiten“: dieses Wort wurde bestimmt nicht hier erfunden. Einmal meinte ein Busfahrer, ach so, aus Europa…ihr habt ja genügend Geld. Als ich ihm dann erklärte, dass wir eben auch für unser Geld arbeiten, war er ziemlich erstaunt. Wie so oft fehlt es einfach an der logischen Verknüpfung verschiedener Dinge…

So, das war’s mal fürs erste zum Thema „Land & Leute“ aus meinem Blickwinkel J

Freitag, 9. September 2011

Honduras - neue Welten

Etwas früher als geplant, nämlich direkt nach der Canyon-Tour (am Ursprung des Rio Coco, dem längsten Fluss Zentralamerikas), bin ich in Honduras angekommen. Ein- und Ausreise wiederum problemlos, aber zeitraubend wie fast immer.
Honduras ist auch knapp dreimal so gross wie die Schweiz, hat aber gleich viele Einwohner wie „wir“. Sprich, eine grosse Fläche ist unbewohnt. Diese Fläche liegt im (Süd-)Osten des Landes, der „Moskitia", der letzten zusammenhängenden Regenwaldfläche Zentralamerikas. Hier plante ich ja eigentlich in einem Busch-Spital zu arbeiten. Wie schon geschrieben, liess aber die Zuverlässigkeit des dort arbeitenden Arztes sehr zu wünschen übrig und sein Interesse an meinem Angebot schien auch marginal zu sein, so dass ich meine Reisepläne spontan änderte. Von der Nordküste in La Ceiba, wo ich auf Antwort aus dem Busch wartete, ging ich dann direkt mit der Fähre zur Insel Utila rüber. Ich traf die Tage davor schon zwei Engländer und in La Ceiba zwei weitere, welche zum Tauchen auf Utila wollten. So absolvierten wir den Tauch-Grundkurs und weil’s so schön (und billig) war, anschliessend auch noch den Fortgeschrittenen-Kurs J dies erlaubte uns dann auch das 1998 in der Bucht abgesunkene Schiffswrack in 30m Tiefe zu erkunden und ein Nachttauchgang gehört ebenfalls dazu. Faszinierend, wie die Unterwasserwelt nachts sich verändert und wie viel Leben dann plötzlich vorhanden ist.
Die Insel ist eine Party-Insel. Jeden Abend steigt irgendwo auf einer Deck-Bar eine Party – schwierig einfach, wenn man um 7:00 Uhr wieder fit zum Tauchen sein muss – und morgens zu tauchen ist definitiv besser und schöner als nachmittags! Dass das Tauchen aber einen ziemlichen Einfluss auf die Physiologie haben muss, hat der eine Engländer klar bewiesen… der lag bis kurz vor Tauchstart noch mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett, hat also vier Stunden davor nochmals so richtig erbrochen und nach einem Alka-Seltzer® extreme und 30 Metern Tiefe fühlte er sich zunehmend besser. Echt, an der Oberfläche noch sosolala und kaum unter Wasser, war das Unwohlsein weg…und kam danach auch wieder… Das Wasser hier ist übrigens so warm, dass man problemlos ohne Anzug ins Wasser kann. Mein Messgerät zeigte mir 84°Fahrenheit, also 29° in 25 Metern Tiefe an!!! Das Tauchen war wirklich super! Einfach abtauchen in eine komplett andere Welt, eine Welt, die den meisten wohl verborgen bleibt. Das Riff an der Nordküste sei ein Ausläufer des Beliz-Riffs, welches das zweitgrösste Riff ist. Total faszinierend, einfach so dem Riff entlang zu tauchen und dann kommt plötzlich das Ende…einfach fertig, Schluss. Und dann geht’s hunderte Meter einfach in die Tiefe. Zuerst noch alles schön farbig und leuchtend und dann plötzlich schwarz soweit das Auge reicht.
Eine Nacht durfte unsere Tauchgruppe auf einer „Privatinsel“ verbringen. Eine Insel, ein Haus. Und am Morgen waren einfach frisch-geschlüpfte Wasserschildkröten in unserer Küche. Der Käpten fand dann noch ein Nest mit frisch-geschlüpften Schildis. Er grub dann die restlichen Eier aus und wir brachten die Kleinen direkt ins Meer. Fantastisch so etwas einmal zu sehen – und völlig unerwartet und ungeplant.
Hab Utila sehr genossen, obwohl es ziemlich anstrengend war, 15 Tauchgänge in 8 Tagen zu absolvieren und dazwischen noch die Theoriestunden... Hätte es da nicht soooooo unglaublich viele Moskitos und wäre die Hitze nicht so erdrückend, wäre die Insel noch viel schöner.
Jeden Abend konnten wir den Gewittern über dem Festland zuschauen – ein wunderbares Spektakel und auf Utila gab’s weder Regen noch richtigen Wind…
Wieder zurück auf dem Festland, besuchte ich kurz das Schweizer Spital in La Ceiba. Doris aus Buchs/SG ist seit 12 Jahren drauf und dran das Spital auf Vordermann zu halten. Leider ist nicht viel los, sonst hätte ich da noch ein paar Tage aus- bzw. mithelfen können. Es ist ein Privatspital mit Belegarztsystem, 2 OP-Säale und etwa 20 Betten sowie 2 Beatmungsplätze! Ich durfte bei den zwei urologischen Operationen dabei sein (das war’s dann auch schon für den ganzen Tag) – leider. Aber das war wiederum eine spannende Erfahrung – auch eine neue Welt! Liebe Anästhesisten, ihr wollt gar nicht wissen, wie hier Narkosen gemacht werden… Monitoring: 3-Kanal-EKG, Pulsoxy und NIB, basta. Keine Spirometrie, also kein CO2, kein MAC (es werden nur Gas-Narkosen gemacht, obwohl das Propofol wahrscheinlich billiger ist als das Sevo, aber dafür bräuchte man einen Perfusor…), kein TOF und natürlich kein BIS ;-) nicht für jedermann…und die Hygieneschwester wäre wohl die Wände hoch. Hier wird noch alles sterilisiert. Keine Abfallberge wie bei uns! Und: ES FUNKTIONIERT! Es funktioniert sogar sehr gut! Das Hospital Suizo hat einen guten Standard für Honduras! Auch die Infektrate liegt sehr tief, trotz der – in unseren Augen – wohl eher ungenügenden Hygiene. Es hat mir jedenfalls gezeigt, dass unsere Medizin in vielen Belangen sicherlich viel zu technisch und entsprechend teurer ist. Aber die Leute hier sind auch weniger anspruchsvoll – es ist einfach eine andere Welt. Medizin wie bei uns vor 20 oder 30 Jahren…
Doris hat mir viel über die Geschichte und den ganzen Aufbau und Unterhalt des Spitals sowie den damit verbundenen Problemen erzählt. Sie leistet wirklich gute Arbeit hier, aber die Unterstützung aus der Schweiz ist leider spärlich. Der Spendenaufruf folgt zu gegebener Zeit ;-)
Leider ist die Website derzeit grad in Überarbeitung und nicht zugänglich, sonst könntet ihr euch selber schon mal ein Bild davon machen.
Heute tauchte ich nun in die 3. Neue Welt in Honduras ein. Die Maya-Welt. Ich startete meine „Maya-Tour“ in Copan. Copan ist sehr klein, aber berühmt und einzigartig für die Maya-Skulpturen. Beeindruckend, was die Mayas alles bewerkstelligten. Die Maya-Ära dauerte mehrere Jahrhunderte ja sogar Jahrtausende (ca. 2000 v.Chr. bis 1000n.Chr.) und die Ruinen in Copan sind Zeitzeugen der letzten Jahre vor dem Untergang der ganzen Kultur.
Danach ging’s direkt weiter über die Grenze nach Guatemala, genauer gesagt eine 7-stündige Busfahrt in einem Minivan bis nach Antigua…
Ehrlich gesagt habe ich nicht sehr viel von Honduras gesehen, aber bin trotzdem wortwörtlich in drei einzigartige – und für mich neue – Welten eingetaucht.