In Antigua Guatemala, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, blieb ich nur eine Nacht, da am Sonntag Präsidentschaftswahlen waren und somit ab Samstagmittag „alles“ geschlossen war. Es darf auch kein Alkohol verkauft werden, weshalb die meisten Restaurants und praktisch alle Bars geschlossen sind. Darum fuhren wir weiter zum Lago Atitlan auf 1600m. Eine wunderschöne Gegend. Drei markante Vulkane umgeben den See, welcher etwa ¼ der Fläche des Bodensees ausmacht. Ich wollte dann am kommenden Tage auch Gleitschirmfliegen über dem See, das Wetter spielte aber leider nicht mit – Regenzeit halt… L
So besuchte ich die umliegenden Dörfer per Kayak und Schnellboot. Da natürlich auch hier gewählt wurde, war am Sonntag auch nicht ganz alles offen, aber am See lässt sich die Zeit einfacher geniessen als in einem Hostel in einer Stadt, jedoch ist baden in dem doch ziemlich verschmutzten See nicht unbedingt die 1. Wahl… Die Wahlen sind ein riesen Event für die Bevölkerung hier und überall hängen Plakate und zeigen auch gleich, WIE man das Kreuz auf dem Wahlzettel machen muss… Die Guatemalteken hatten 5 Personen zur Auswahl, die beiden Favoriten machten dann auch das Rennen und es kommt im November zu einer Stichwahl zwischen dem „Mafiosi“ und dem „Völkermörder“… die Qual der Wahl, das geringere Übel wird dann hoffentlich gewinnen…
Vom See nahm ich dann wieder einmal einen öffentlichen Bus weiter ins Hochland nach Quetzaltenango, kurz auch Xela genannt (Abkürzung des Maya-Namens). Da am 15. September auch noch der Unabhängigkeitstag (Nationalfeiertag) Guatemalas war und das halbe Land nach Xela kam, war ziemlich viel los und mir wurde vorausgesagt, dass ich die nächsten vier oder fünf Tage hier wohl kaum weg komme… jeder sagt etwas anderes, keiner weiss jeweils genau, was wie wo, aber alle haben immer eine Antwort.
In Xela traf ich Steph und Livia, meine ehemalige Nachhilfe-Schülerin aus Bern J zu dritt war es dann auch einfacher, Touren zu buchen – alleine hätte ich keine Tour buchen können während dieser Fest-Zeit! Wir entschieden uns für den Vulkan Tajumulco, den höchsten Berg Zentralamerikas (4220m.ü.m). Von der Zweitagestour wurde uns aufgrund der hohen Regenwahrscheinlichkeit, welche v.a. nachmittags und abends zu tragen kommt, abgeraten, so dass wir den Berg in einem Tag erklommen. Um 4:30Uhr ging’s los. Mit der alten Klapperkiste dauerte die Fahrt zum Fusse des Vulkans aber rund zweieinhalb Stunden L nach knapp drei weiteren Stunden erreichten wir dann den Gipfel – leider zogen immer mehr Wolken auf, aber wir konnten einige Blicke bis zum Pazifik erhaschen. Die Aussicht war echt gigantisch, jedoch jeweils nur für sehr kurze Momente. Der Aufstieg war im Übrigen nicht sehr schwierig, einfach die Höhe erschwert das Atmen natürlich ein wenig.
Am Abend gab’s dann noch eine gratis Salsa-Tanzstunde dazu J Als Einführung ganz gut – mehr werde ich mir dann wahrscheinlich in Kolumbien oder so gönnen! Danach waren wir aber so müde, dass wir nicht an der grossen Party auf der zentralen Plaza teilnahmen bzw. nur kurz. Ein riesen Fest, das so etwas wie ein grosses Strassen-Stadtfest gemischt mit einem Fasnachtsumzug repräsentierte. Und eben, extrem viele Leute. Am nächsten Morgen ging’s um 5 Uhr bereits wieder zum nächsten Vulkan und es waren immer noch viele Leute auf der Strasse. Eigentlich wollten wir Lava sehen, der Vulkan Santiaguito ist aber im Moment „müde“ und wir konnten keine Eruption sehen L aber die Aussicht war wunderschön.
Nach Xela ging ich wieder zurück nach Antigua. Ich hatte die Stadt ja quasi übersprungen und wollte unbedingt nochmals zurück, denn die Koloniale Stadt ist sehr gemütlich und schön.
Da selbst die Leute an der Rezeption im Hostel wo ich war noch nie auf dem Pacaya-Vulkan waren und mir keine Auskunft darüber geben konnten, lud ich sie ein, mit mir den Vulkan zu besteigen, was dann auch wahr genommen wurde ;-) Der Pacaya-Vulkan ist ebenfalls bekannt dafür, dass man Fotos neben fliessender Lava knipsen kann. Dieser Mythos die Führer plötzlich ehrlich und gestehen sogar, dass seit der letzten Eruption vor knapp anderthalb Jahren keine Lava mehr gesehen werden kann… jaja, die Guatemalteken haben wirklich ein Flair dafür einem Dinge zu verkaufen, die überhaupt nicht existieren – natürlich hatte ich zuvor, wie denn die Situation heute aussieht, aber da wird einfach gelogen, was das Zeugs hält… sie wollen ja schliesslich nur mein Geld.
In Antigua traf ich dann Tristan, Philippe und Lukas aus Bern. Gemeinsam ging’s dann weiter nach Sémuc Champey im zentralen Hochland. Der Ort ist ein weiterer Touristen-Magnet in Guatemala. Bekannt und berühmt für die schöne Natur und die 300m lange Naturbrücke aus Kalkstein mit zahlreichen Becken, die mit frischem Flusswasser durchspült werden und eine herrliche Kulisse beim Schwimmen bieten. Zuvor ging’s noch in die Höhlen von Semuc. Eine zweistündige Tour mit Kerzen im Wasser durch die Höhle gehend, teils schwimmend und kletternd… eigentlich war die Tour recht gefährlich – jedenfalls könnte man so etwas ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen und mit nur einem Führer für über 20 Leute in der Schweiz aus rein rechtlichen Gründen wohl nicht machen.
Nach zwei Nächten in Semuc gings dann weiter nach Flores, dem Ausgangspunkt für eine Tour zu den berühmten Maya-Ruinen in Tikal.
Die Fahrt nach Flores war – wie fast immer in Guatemala – mit einem Minivan. Der Fahrer hatte schon kleine verschlafene Augen als wir los fuhren. Mal fuhr er wie ein Raser, mal sehr langsam, insbesondere wenn er grad mal wieder telefonierte… beim zweiten Stopp verschwand er dann kurz auf dem Klo und kam putzmunter wieder zurück – „Jufli-Pulver“ lässt wohl grüssen… aber lieber so als auf Entzug. Nun gut, abgesehen davon, dass die Fahrt einmal mehr viel länger dauerte als geplant, der Platz im Bus sehr beschränkt und die Hitze nur knapp erträglich war, erreichten wir Flores unbeschadet. Im Bus lernte ich einen weiteren Philipp aus dem Vorarlberg kennen. Er hatte auch von den noch beinahe unberührten Ruinen in El Mirador gehört. Ich hatte ebenfalls davon gelesen und wollte mich in Flores erkundigen. In El Mirador stehen die grössten und höchsten Tempel der Maya-Welt und der Ort ist nur mit einem abenteuerlichen und anstrengenden 5-Tages-Trekk erreichbar. Für nur zwei Personen war die Tour aber sehr teuer, weshalb wir noch abwarteten um zu schauen, ob sich noch mehr Leute dafür interessieren.
Daher ging’s dann am Folgetag zuerst nach Tikal. Tikal ist sehr touristisch, aber sehr sehr beeindruckend! Und die Aussicht, die man heutzutage von den Tempelspitzen über den Urwald hat ist einfach atemberaubend. Die Tempel hier sind etwas älter (ca. 250 – 900 n.Chr.) als jene in Copan und die ganze Anlage ist deutlich grösser und imposanter.
Zurück in Flores machten sich Philipp und ich weiter auf die Suche nach mehr Leuten für die Tour nach El Mirador. Als wir dann eine Agentur fanden, die einen einigermassen tragbaren Preis anbot, waren wir überglücklich. Alles wurde schriftlich festgehalten und wir unterzeichneten den „Vertrag“. Eine halbe Stunde später, nachdem wir unser Geld im Hostel geholt hatten, sah das Ganze dann plötzlich wieder ganz, ganz anders aus. Die Tour fand als doch nicht statt. Wir verhandelten wirklich stundenlang, aber es war nichts zu machen. Nach vier Tagen Suchen und Stürmen verging uns dann langsam aber sicher die Lust an der Tour, obwohl es natürlich eine einmalige Angelegenheit gewesen wäre. Aber die Tour-Agenten logen auch hier alles zusammen, was überhaupt möglich war – leider…
So fuhren wir am nächsten Tag über die Grenze nach Belize, wo wir nun auf Caye Caulker angekommen sind. Morgen früh wird mal wieder eine Tauchausrüstung montiert und ich stürze mich ins Blue Hole um dem zweitgrössten Riff der Welt einen Besuch abstatten und hoffentlich mit Haien und Schildkröten etc. tauchen zu können.
Guatemala ist ein sehr schönes, aber armes Land. Die Leute sind sehr hilfsbereit und freundlich – ausser gewisse im Tourismus arbeitende Leute, die z.T. wirklich extrem mühsam werden können. Die Armut ist sehr hoch, entsprechend „gefährlich“ ist es hier – wenn man sich als Tourist aber an gewisse „Regeln“ hält, hält sich auch dies in Grenzen. Ich hatte zumindest nie Probleme. Bankomaten hier sind aber teils „getürkt“, so dass einem irgendwie die Kontodaten geraubt werden während eines Bargeldbezuges und – so geschah es einem Australier im gleichen Hostel – täglich ein gewisser Betrag abgebucht wurde… oder dass einem an jeder Strassenecke Drogen angeboten werden, gehört hier irgendwie einfach zur Tagesordnung… wirklich schade, dass in einem solch schönen Land die Korruption überhand hat und entsprechend die Schere im Sozialsystem extrem weit gespreizt ist…