Hola. Nun bin ich also schon seit knapp zwei Wochen nicht mehr „alleine“ unterwegs. Am Tag nach Olis Ankunft stand zuerst mal eine Stadtbesichtigung an. Nachdem es im Altstadt-Quartier „La Candelaria“ um 8Uhr morgens noch nirgends etwas zu essen gab, durchquerten wir die Altstadt einfach mal zu Fuss. Beim Hauptplatz, der Plaza Bolivar, standen dann aber auch schon die ersten Strassenverkäufer, die frische Fruchtsäfte und Fruchtschnitze verkauften – et voilà J
Danach gingt’s ins Goldmuesum. Am letzten Sonntag im Monat sind alle Museen jeweils gratis, drum waren wir schon früh genug dort, um dem grossen Ansturm zu entgehen. Hier gibt’s allerhand Goldstücke, welche von verschiedenen Kulturen in Kolumbien gefunden wurden. Ich war ein bisschen enttäuscht über die „Funde“ aus San Agustin und Tierradentro – dort hiess es immer, der Rest sei im Goldmuseum in Bogota, aber hier gab’s nicht sehr viel mehr… unseren zweiten Museumsbesuch widmeten wir Herrn Botero, dem wohl berühmtesten Künstler Kolumbiens. Er malte v.a. Menschen in Alltagssituationen und alle menschlichen Wesen hat er sehr adipös gezeichnet. Auch Skulpturen hat er in diesem Stil angefertigt. Die berühmteste heisst „la Gorda“ (die Dicke) und steht in Medellin – ist aber nicht soooo eindrucksvoll…
Bogotá ist keine wirklich schöne Stadt. Wie bereits gesagt gibt es ein krasses Nord-Süd-Gefälle. Die Candelaria, die Altstadt, liegt etwa in der Mitte. Für die „Rolos“, wie die Bogotaner u.a. genannt werden, liegt die Candelaria aber bereits im Süden. Der Norden unterscheidet sich dann kaum mehr von einer europäischen Stadt – auch nicht im Preisniveau.
Obwohl die Stadt so viele Einwohner wie die Schweiz hat, existiert kein sinnvolles Transportsystem. Die Transmillenio, ein „Schnell-Bus“, hat zwar eine eigene Spur, aber die Schlaglöcher und Ampeln vor Fussgängerstreifen zeugen von ungenügendem Willen an Verbesserung… Vom Zentrum in den Norden oder Süden dauert‘s je rund 1h.
Von Bogotá ging’s dann mit dem Nachtbus Richtung Kaffezone. Nachtbusfahrten wollte ich mir auf dieser Reise eigentlich ersparen. Aber Kolumbien ist so gross, dass praktisch jede Busfahrt 6-10h dauert und zu zweit ist dies auch einfacher und sicherer. 8-9h wurden uns vorausgesagt, 11h dauerte die Fahrt dann effektiv. Aufgrund des vielen Regens in den vorausgegangenen Tagen waren die Strassen teils von Erdrutschen versperrt… Von Armenia (gleich nebenan liegt Montenegro und auch Palestine ist ganz in der Nähe…) ging’s dann eine weitere Stunde im Kleinbus bis Salento, dem Tor zum Cocora-Tal und mittendrin in der Kaffeezone Nummer 1 von Kolumbien. Bereits bei der Ankunft regnete es – und so blieb es dann – leider – mehrheitlich auch. Am zweiten Tag besuchten wir dann eine Bio-Kaffee-Plantage, was mit einer sehr schönen Wanderung verbunden war. Fr. 2.50 pro Person kostete eine rund einstündige Führung, mit einem frisch gemahlenen Kaffe am Ende. Dies waren aber auch die einzigen 3-4h die uns Petrus gönnte. Daher verbrachten wir nachmittags jeweils viel Zeit mit B&B, Billiard und Bier…
Aufgrund der misslichen Wetterlage fuhren wir am Folgetag weiter – nach Medellin, der Ort, wo angeblich die schönsten Frauen des Landes her kommen. Die Stadt ist ähnlich wie Cali, eine Goldgrube für Schönheitschirurgen (und wie gesagt, ist eine Operation selbst bei Miss-Wahlen kein Hindernis). Medellin hat eine sehr schöne „zona rosa“, das Ausgangsquartier. Viele westlich ausgerichtete Restaurants mit entsprechendem Standard und Preisen, gespickt mit einigen Discos – wunderbar zum Ausgehen J Die Stadt selber ist nur im Neustadt-Viertel schön – das Zentrum ist sehr hektisch und in der Fussgängerzone wird man verbal in jeden Laden gezogen, was sehr anstrengend ist. Der Botero-Platz, wo viele Statuen – u.a. „la Gorda“ – ausgestellt sind, der botanische Garten und die Aussicht vom Hügel im Nordwesten sind aber auch schon die einzigen Sehenswürdigkeiten in dieser Stadt. Es gibt aber viele schöne Parks und Grünzonen, was der Stadt ein ruhigeres Flair attestiert. Leider meinte es Petrus auch hier nicht sonderlich gut mit uns, so dass wir den Ausflug nach Guatapé ausliessen und nach vier Nächten Medellin dann wiederum einen Nachtbus nach Turbo nahmen. Aufgrund des vielen Regens in den vergangenen Tagen, was etliche Erdrutsche zur Folge hatte, wurde uns eine Busfahrt von 10h vorausgesagt. Da aus Turbo nur ein Boot pro Tag um ca. 8Uhr an die Karibikküste nach Capurganá fährt, wollten wir früh genug dort sein – und 10h können hier ja locker zu 12 oder 13h werden… so nahmen wir den Bus um 18:30Uhr (Abfahrt war dann um 19Uhr). Um 22Uhr war ein Stopp geplant, um uns den Magen zu füllen. Oli lagen die zwei Salsichas (fettige Würstchen) bis am Morgen auf… Die Strassenverhältnisse waren wirklich miserabel! Schlaglöcher hier und dort, Erdrutsche links und rechts, dazu zwischenzeitlich stärkster Regen, so dass man kaum mehr was sah und selbst die Dachlucke nicht mehr dicht war – und genau auf mich runter tropfte… an Schlafen war kaum zu denken, wir probierten es trotzdem und es gelang uns stundenweise. Ab 3:30 Uhr machte der Fahrer dann auch wieder laute Musik an und um 4:15 Uhr hiess es dann plötzlich „Turbo, aussteigen“! oha, jetzt waren wir viel zu früh… Turbo ist eine hässliche Stadt. Immerhin wurden wir direkt beim Büro der Busgesellschaft abgeladen, wo wir ab 5 Uhr auch unser Gepäck deponieren konnten. Bis dahin wurden wir aber von einem Drögeler immer wieder angesprochen und er legte uns sogar seinen Stauschlauch vor die Füsse – blieb aber sonst anständig. Die Polizei-Patrouille folgte auch umgehend und trank danach noch einen Kaffee mit uns auf der Strasse. Nach weiteren zwei Stunden Warten im Hafen, war es dann endlich, endlich soweit. Wir durften aufs Boot. Knapp 30 Personen waren mit uns auf diesem sehr kleinen, engen Boot und wir zwei Gringos durften in der ersten Reihe sitzen – danke… jede Welle wurde also zuerst mal von unseren Rücken abgefedert L nach rund drei Stunden und ca. 5cm Grössenverlust kamen wir dann in Capurganá an. Echt, die Bootsfahrt war um nichts besser als die Busfahrt während der Nacht…
Capurganá ist ein sehr kleines Dörfchen mit gut 1000 Einwohnern ein paar Kilometer von der Grenze zu Panama entfernt, besitzt aber einen Flugplatz und viele Strassenkötern, die einen beim Essen stören. Hierher gelangt man wirklich nur per Boot oder Flugzeug und der nächste Bankomat liegt in Turbo bzw. der nächsten grösseren Stadt in Panama… Das Essen hier ist sehr langweilig: die gewohnten Beilagen, sprich eine knappe Hand voll Salat, 10 Pommes, etwas Reis (aber KEINE Bohnen!) und dann die Wahl zwischen Fisch, Rind oder Poulet… naja…Mittag- und Abendessen sind jeweils genau gleich! Und es gibt nicht viele Restaurants hier - der Vitaminmangel schreit schon beinahe. Die Strände hier sind sehr klein, aber gemütlich und erholsam. Unser Hostel liegt auch direkt am Meer – wäre das Wasser etwas tiefer, könnten wir direkt vom Balkon aus rein springen J Das Wetter wurde jetzt jeden Tag besser, so dass wir heute auch endlich noch Tauchen gehen konnten. Nichts weltbewegendes, aber immerhin ein Wieder-Einstieg für Oli. Eigentlich wollten wir von hier über die Grenze nach Panama und dann einen Flug nach Panama-City nehmen – alle Flüge seien aber bis anfangs Januar ausgebucht. Daher geht’s morgen per Boot direkt auf die San Blas Inseln in Panama. Am 22. Dezember geht’s dann wieder zurück nach Kolumbien für die Feiertage J
Hasta luego, Colombia!
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