Obwohl ich schon sehr bald zurück bin, ist es wieder einmal an der Zeit, etwas über die Lebensweise und die Leute hier zu schreiben.
Also generell bin ich ja sehr froh, hat mich meine Reise relativ spontan doch wieder für längere Zeit nach Südamerika gebracht. In Zentralamerika herrscht einfach eine komplett andere Mentalität. Ausser in Nicaragua und Mexiko sind die Leute eher unfreundlich und wollen einfach nur Geld.
Südamerika ist diesbezüglich meines Erachtens viel, viel angenehmer – insbesondere Kolumbien. Kolumbien ist wirklich einzigartig was die Leute anbelangt. Die sind extrem nett und bieten einem fast immer einfach so – kostenlos (in den meisten anderen Ländern wollen sie dann Geld) – ihre Hilfe an.
Möchte im Folgenden noch ein paar Dinge aufzeigen, die hier einfach gaaaanz anders sind als bei uns.
Restaurants:
Dies ist manchmal ein generelles Tourismus-Problem. Oftmals wissen die Leute hier einfach nicht, wie mit dem Tourismus umgehen. Was sind die Bedürfnisse? Beispielsweise wird ganz oft einfach alles miteinander aufgetischt, sprich Suppe, Salat und Hauptgang gleichzeitig. Abgeräumt wird jeweils, wenn sich die „letzte Gabel“ noch auf dem Weg zum Mund befindet.
Abfall:
Ebenfalls ein Thema, das Bücher füllen könnte… Ecuador und Kolumbien sind da weit fortschrittlicher als zentralamerikanische Länder. Hier in Kolumbien stehen oftmals Abfalleimer mit drei verschiedenen Fächern rum: Karton/Papier, Glas, Übriges. Viele Einheimische werfen aber einfach alles in ein Loch… vielerorts sind aber öffentliche Abfalleimer eine Seltenheit, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass ganze Städte fast im eigenen Müll ersticken. Spannend ist ja auch, dass sich die Leute hier nicht ab dem Müll stören. Da stellst du deinen Müllsack vor die Haustüre. Dieser wird dann von Hunden und Pennern nach essbarem durchsucht, was eine riesen Schweinerei hinterlässt. Am Folgetag geht aber alles seinen gewohnten Lauf. Kaum ein Mensch hier räumt vor seiner eigenen Haustür seinen eigenen Müll weg. So stapeln sich halt manchmal die „Dreckhaufen“ im eigenen Garten… In Santa Marta (Kolumbien) lag jeweils extrem viel Müll auf den Strassen, der dann abends mit der Meeresbrise durch die Gassen gefegt wurde, so dass einem wortwörtlich der Dreck um die Ohren flog.
Verkehrsmittel – nochmal:
In der Regel kriegt man für längere Busfahrten einen nummerierten Sitzplatz. Was mich immer wieder fasziniert ist, dass sich die Leute hier unter keinen Umständen auf einen anderen Platz setzen würden. Da ist praktisch kein Tausch möglich! Unglaublich, was ich da schon für Streits erlebt habe…
Taxifahren ist auch sehr unterschiedlich. Hier in Kolumbien sind die Taxifahrer meistens recht locker und freundlich. Sie sind aber meistens so faul, dass sie an jeder roten Ampel den Gang raus nehmen und ihn bei „grün“ dann kaum wieder rein bringen, weil die Karre schon so alt und verrostet ist J auch Anfahren „am Berg“…ja schon die kleinste Steigung führt meistens zu einem kleineren Chaos. Noch viel schlimmer ist’s mit privaten PWs. Diese sind aber häufig auch bis zum letzten Quadratzentimeter gefüllt – sei es mit Personen oder Früchte/Gemüse.
Strassenverkäufer:
Ich find’s einfach unglaublich geil, wenn an der Karibikküste bei über 30° am Schatten an einem Stand unter dem Sonnenschirm offen Käse angeboten wird. Ok, der Käse schmeckt eh scheisse, aber trotzdem…der schwitzt ja schon bei uns bei Raumtemperatur!! Wie soll er denn mit der karibischen Hitze umgehen??
Dann gibt’s aber auch noch all die anderen Verkäufer. Einige haben fix vor einem Supermarkt/Kleiderladen etc. ihren Stand. Andere ziehen mit ihrem Wägelchen umher, schreien und werden ihr Zeugs kaum los… das Beste, was mir auf der Strasse angeboten wurde war ein Stromkabel! Stimmt, das vergesse ich immer… Ja, eigentlich hätte ich ihm eines abkaufen sollen, einfach wegen der originellen Idee. Sorry, so ein Schwachsinn…
Simon Bolivar:
In den Ländern des ehemaligen Grosskolumbiens (Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Panama sowie Teilen von Guayana und Peru) wird der Befreier „el Libertador“ bis aufs letzte gefeiert. Hugo Chavez ist so stolz auf Simon, dass in Venezuela alles nach ihm benannt ist. Panama will nach der Trennung von Kolumbien wohl nicht mehr viel mit dem Süden zu tun haben – dort erscheint der Name sehr selten. In Ecuador ist auch nur weniges nach Bolivar benannt. Kolumbien hingegen hatte geschichtlich gesehen schon mehr mit ihm zu tun. Hier in Boyaca (im Nordosten) fand die grosse „Befreiungsschlacht“ gegen die Spanier statt und in Santa Marta starb Simon Bolivar im Jahre 1830 an Tuberkulose (hier wird aber auch über Syphilis gemunkelt und Wikipedia behauptet eine Arsenvergiftung). Jedenfalls ist er in den „Paises Bolivarianos“ (Bolivar-Länder; inkl. Bolivien) DER Staatsheld und fast in jeder Stadt ist ein Platz nach ihm benannt.
Weihnachtsbeleuchtung:
Ich hatte jetzt ja das Glück während der Weihnachtszeit hier zu sein. Hier werden ganze Stadtteile in ein Lichtermeer verwandelt. Nicht einfach nur eine Strasse und fertig. Nein, jeder Park und die umliegenden Strassen, jedes Denkmal und Sehenswürdigkeiten sind mit den gleichen Lämpchen und „Licht-Skulpturen“ umgeben. Manchmal ein bisschen „too much“, aber ok, die Leute hier sind irgendwie so fanatisch auf Weihnachten. Und das lustigste ist, dass die Weihnachtsbäume meistens noch mit künstlichem Schnee bedeckt sind – haha, kaum ein Mensch hier hat jemals Schnee aus der Nähe gesehen.
So, das war’s mal wieder zu „Land & Leute“.
Für alle, die allenfalls in den Nachrichten etwas Schlechtes über Kolumbien gehört haben: Oli und ich sind nicht mehr im Norden! Wir haben auch überhaupt nichts davon mitgekriegt vor Ort. Aber wie ich den Medien entnehme, sind die News noch gar nicht über den Atlantik gekommen… auf Englisch gibt’s hier News.
Mehr zum wunderschönen und coolen Kolumbien folgt in einer Woche… jaja, ich komme schon bald wieder zurück. Zum Vormerken: Samstag, 14.1.12 um 18:40 Uhr am Flughafen Zürich ;-)
Also, liebe Grüsse aus dem kolumbianischen Sommer in Bucaramanga und bis bald.
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