Top of Cotopaxi, 5897m

Dienstag, 8. November 2011

Ecuador

Ecuador ist etwa 6x so gross wie die Schweiz und hat knapp doppelt so viele Einwohner. Ich war ja schon vor knapp 5 Jahren einmal hier – es war richtig schön, wieder hierher zu kommen. Vieles war so vertraut und vieles war so neu. Ecuador verändert sich rasch. Das eindrücklichste hier ist wahrscheinlich die „soziale Schere“. In den touristischen Vierteln der Städte und Touristenorten sieht man kaum Armut – verlässt man diese Orte, wimmelt’s nur so davon. Wo man als normaler Tourist hin kommt, sieht man wenig Armut und dann fragt man sich, wie ein monatliches Durchschnittseinkommen von 450US$ zustande kommt. Das Land ist wie in drei Teile geteilt: die Küstenregion, das Hochland und der „Oriente“ – das Amazonasbecken. Dies ist mit Abstand die ärmste Region des Landes.
Spät nachts kam ich also in Quito an! Später wurde es auch deswegen, weil abends die Sicht oftmals sehr schlecht ist und die Wetterverhältnisse hier im „Winter“ halt nicht so optimal sind… nun ja, der Pilot kurvte noch etwa eine halbe Stunde über der Stadt an den Vulkanen vorbei, bevor wir dann endlich landen konnten. Danach ging’s gleich in den Dschungel. Per Bus über die Anden bis nach Tena, dann weiter mit dem Taxi und schlussendlich noch ein paar Minuten mit dem Boot den Rio Aranjuno hoch zur Dschungel-Lodge. Die Zeit im Dschungel war sehr intensiv und ich kam in den Genuss von Dschungelmedizin und dufte einigen „Heilritualen“ beiwohnen. Ansonsten gab’s mal ne Tour durch den Dschungel, Bootsfahrten auf dem Aranjuno-Fluss zu einem kleinen Dörfchen oder Baden bzw. „Tubing“, mit den Reifen den Fluss runter düsen. Der Dschungel ist ja voll von „unbekannten“ Tieren. Die mühsamsten waren aber die alt-bekannten Mücken und Sandfliegen…dafür ist es einfach herrlich, wenn die Vögel und Zikaden einen in den Schlaf singen und die aufs Dach prasselnden Regentropfen das Schlagzeug und der Donner den Bass im Konzert übernehmen.
Nach gut zehn Tagen im Dschungel ging’s dann wieder zurück nach Quito. Das lustigste war dann, dass ich im Touristenviertel wieder das Hotel versuchte zu finden, wo ich vor 4.5 Jahren war. Et voilà. Zuerst am Coiffeur vorbei und dann sah ich das Internet-Café und den Mini-Markt, die Gegenüber des Hotels liegen. So checkte ich also wieder im gleichen, schönen Hostel ein wie damals. Wahrscheinlich war es sogar das gleiche Zimmer wie damals J gut, dann kam meine „legendäre“ Cotopaxi-Tour, die an anderer Stelle beschrieben ist.
Danach ging ich nach Mindo, ein kleines Dörfchen zwei Stunden von Quito, bekannt für die schöne Landschaft und die Wasserfälle. Ja, war schön, aber nichts Welt bewegendes. Wasserfälle sind einfach schön. Eine Canopy-Tour gab’s da auch noch zu machen, was wieder einmal lustig war. 1h lang über den Nebelwald gleiten J
Da Mindo so klein ist und keinen Bankomaten hat, musste ich das Dörfchen bald wieder verlassen und fuhr nach Guayaquil, der grössten Stadt Ecuadors an der Küste. Guayaquil ist quasi das Zürich von Ecuador, nicht Hauptstadt, aber Wirtschaftszentrum. Man hört ganz viel Schlechtes über diese Stadt, aber ich empfand sie weder gefährlicher als Quito noch so hässlich, wie alle behaupten. Im Gegenteil. Der Malecón, die Fluss-Promenade im Stadtzentrum, die bis zu Las Peñas hoch reicht, ist sehr schön. Las Peñas ist ein Künstlerviertel an einem Hügel mit lauter farbigen Häusern. Wenn man die 444 Treppenstufen bis zur Kapelle und dem Leuchtturm hoch geht, hat man eine wirklich schöne Sicht auf die ganze Stadt. Im Stadtzentrum gibt’s eine riesige Kathedrale und grad davor liegt der Leguan-Park, wo um die Mittagszeit die Leguane von den Bäumen runter kommen und sich von Einheimischen und Touristen füttern lassen – zum Anfassen nahe. Und der grosse Friedhof. Friedhöfe in Lateinamerika sind etwas ganz Spezielles. Hier werde kleine Mausoleen oder sonst irgendwelche Bauten hingestellt. Nur die Armen scheinen vergraben zu werden, alle anderen haben ihr „letztes Haus“ überirdisch.
Das Wochenende verbrachte ich in Montañita – eines der beliebtesten Wochenendausflugsziele junger Ecuadorianer. Sonne, Strand und Party – das ist Montañita.
Nach Guayaquil ging ich wieder ins Hochland. Cuenca ist die drittgrösste Stadt Ecuadors und die Altstadt – wie in Quito – UNESCO-Weltkulturerbe. Eine sehr schöne koloniale Stadt mit diesem Anden-Flair. Da um Allerheiligen/Allerseelen hier grad die ganze Woche „Ferien“ war, und in Cuenca am 3.11. der Unabhängigkeitstag gefeiert wurde, waren die Hotels alles ziemlich voll – v.a. mit einheimischen Touristen. Aber ein lustiges Spektakel – beispielsweise „fútbol comico“ wurde in einem Park gespielt, Esel gegen Clowns. Aber dies nur etwas – die ganze Stadt war auf den Beinen, an jeder Strassenecke standen Strassenkünstler, Komiker, Musiker, Michael Jackson-Imitanten etc. Einfach super, so einem 3-Tages-Stadtfest beiwohnen zu können. In Cuenca werden übrigens auch die legendären Panama-Hüte hergestellt - warum? keine Ahnung...
Nach ein paar Tagen Cuenca fuhr ich dann weiter nach Baños – einem weiteren Touristenmagneten… Baños liegt noch auf 1800m, aber schon Richtung Amazonas. Das Städtchen ist ein Paradies für Natursportler – und wie der Name schon sagt, bekannt für die Thermalquellen. Hier kann man so ziemlich alles machen. Klettern, Canyoning, Canopy, Rafting, Biken, Wandern etc. Nach der Canyoning-Tour wurde ich dann aber krank, bekam etwas Fieber und hab daher von all den Aktivitäten nicht viel mitgekriegt… aber „Uña de Gato“ (Katzenkralle) hilft bei allem J in Baños gibt es auch einen Schweizer, der hier ein Schweizer Restaurant aufgebaut hat. Nach dreieinhalb Monaten gab’s also endlich, endlich mal wieder richtigen Käse! Ein Fondue!! Hammer. Endlich konnte ich meinem Käse-Entzug Herr werden. Den Käse bezieht Patrik bei Floralp Ecuador – voll cool J
Ein Bad in den heissen Quellen dufte natürlich nicht fehlen – ein fantastischer Ort für alle Kneipp-Fans. Und auch von einem der vielen Massage-Angebote profitierte ich; wirklich die bisher beste Massage in Lateinamerika.
Als dann das Wetter umschlug, war klar, dass ich nicht mehr länger in Baños blieb. So fuhr ich wieder nach Quito, blieb eine Nacht hier und versuche nun heute über die Grenze nach Kolumbien zu kommen. „Versuche“ deshalb, weil es einmal mehr eine sehr umständliche Angelegenheit wird – wie so oft an Grenzübergängen… aber auch das wird klappen.
Obwohl es noch einiges zu sehen gäbe, habe ich nach 5 Wochen Ecuador nun genug. Es bleiben viele wunderschöne Erinnerungen an meinen zweiten Aufenthalt hier. Ich freue mich jetzt aber sehr auf Kolumbien, denn alle Reisenden schwärmen so sehr von diesem Land!

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