Top of Cotopaxi, 5897m

Freitag, 9. September 2011

Honduras - neue Welten

Etwas früher als geplant, nämlich direkt nach der Canyon-Tour (am Ursprung des Rio Coco, dem längsten Fluss Zentralamerikas), bin ich in Honduras angekommen. Ein- und Ausreise wiederum problemlos, aber zeitraubend wie fast immer.
Honduras ist auch knapp dreimal so gross wie die Schweiz, hat aber gleich viele Einwohner wie „wir“. Sprich, eine grosse Fläche ist unbewohnt. Diese Fläche liegt im (Süd-)Osten des Landes, der „Moskitia", der letzten zusammenhängenden Regenwaldfläche Zentralamerikas. Hier plante ich ja eigentlich in einem Busch-Spital zu arbeiten. Wie schon geschrieben, liess aber die Zuverlässigkeit des dort arbeitenden Arztes sehr zu wünschen übrig und sein Interesse an meinem Angebot schien auch marginal zu sein, so dass ich meine Reisepläne spontan änderte. Von der Nordküste in La Ceiba, wo ich auf Antwort aus dem Busch wartete, ging ich dann direkt mit der Fähre zur Insel Utila rüber. Ich traf die Tage davor schon zwei Engländer und in La Ceiba zwei weitere, welche zum Tauchen auf Utila wollten. So absolvierten wir den Tauch-Grundkurs und weil’s so schön (und billig) war, anschliessend auch noch den Fortgeschrittenen-Kurs J dies erlaubte uns dann auch das 1998 in der Bucht abgesunkene Schiffswrack in 30m Tiefe zu erkunden und ein Nachttauchgang gehört ebenfalls dazu. Faszinierend, wie die Unterwasserwelt nachts sich verändert und wie viel Leben dann plötzlich vorhanden ist.
Die Insel ist eine Party-Insel. Jeden Abend steigt irgendwo auf einer Deck-Bar eine Party – schwierig einfach, wenn man um 7:00 Uhr wieder fit zum Tauchen sein muss – und morgens zu tauchen ist definitiv besser und schöner als nachmittags! Dass das Tauchen aber einen ziemlichen Einfluss auf die Physiologie haben muss, hat der eine Engländer klar bewiesen… der lag bis kurz vor Tauchstart noch mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett, hat also vier Stunden davor nochmals so richtig erbrochen und nach einem Alka-Seltzer® extreme und 30 Metern Tiefe fühlte er sich zunehmend besser. Echt, an der Oberfläche noch sosolala und kaum unter Wasser, war das Unwohlsein weg…und kam danach auch wieder… Das Wasser hier ist übrigens so warm, dass man problemlos ohne Anzug ins Wasser kann. Mein Messgerät zeigte mir 84°Fahrenheit, also 29° in 25 Metern Tiefe an!!! Das Tauchen war wirklich super! Einfach abtauchen in eine komplett andere Welt, eine Welt, die den meisten wohl verborgen bleibt. Das Riff an der Nordküste sei ein Ausläufer des Beliz-Riffs, welches das zweitgrösste Riff ist. Total faszinierend, einfach so dem Riff entlang zu tauchen und dann kommt plötzlich das Ende…einfach fertig, Schluss. Und dann geht’s hunderte Meter einfach in die Tiefe. Zuerst noch alles schön farbig und leuchtend und dann plötzlich schwarz soweit das Auge reicht.
Eine Nacht durfte unsere Tauchgruppe auf einer „Privatinsel“ verbringen. Eine Insel, ein Haus. Und am Morgen waren einfach frisch-geschlüpfte Wasserschildkröten in unserer Küche. Der Käpten fand dann noch ein Nest mit frisch-geschlüpften Schildis. Er grub dann die restlichen Eier aus und wir brachten die Kleinen direkt ins Meer. Fantastisch so etwas einmal zu sehen – und völlig unerwartet und ungeplant.
Hab Utila sehr genossen, obwohl es ziemlich anstrengend war, 15 Tauchgänge in 8 Tagen zu absolvieren und dazwischen noch die Theoriestunden... Hätte es da nicht soooooo unglaublich viele Moskitos und wäre die Hitze nicht so erdrückend, wäre die Insel noch viel schöner.
Jeden Abend konnten wir den Gewittern über dem Festland zuschauen – ein wunderbares Spektakel und auf Utila gab’s weder Regen noch richtigen Wind…
Wieder zurück auf dem Festland, besuchte ich kurz das Schweizer Spital in La Ceiba. Doris aus Buchs/SG ist seit 12 Jahren drauf und dran das Spital auf Vordermann zu halten. Leider ist nicht viel los, sonst hätte ich da noch ein paar Tage aus- bzw. mithelfen können. Es ist ein Privatspital mit Belegarztsystem, 2 OP-Säale und etwa 20 Betten sowie 2 Beatmungsplätze! Ich durfte bei den zwei urologischen Operationen dabei sein (das war’s dann auch schon für den ganzen Tag) – leider. Aber das war wiederum eine spannende Erfahrung – auch eine neue Welt! Liebe Anästhesisten, ihr wollt gar nicht wissen, wie hier Narkosen gemacht werden… Monitoring: 3-Kanal-EKG, Pulsoxy und NIB, basta. Keine Spirometrie, also kein CO2, kein MAC (es werden nur Gas-Narkosen gemacht, obwohl das Propofol wahrscheinlich billiger ist als das Sevo, aber dafür bräuchte man einen Perfusor…), kein TOF und natürlich kein BIS ;-) nicht für jedermann…und die Hygieneschwester wäre wohl die Wände hoch. Hier wird noch alles sterilisiert. Keine Abfallberge wie bei uns! Und: ES FUNKTIONIERT! Es funktioniert sogar sehr gut! Das Hospital Suizo hat einen guten Standard für Honduras! Auch die Infektrate liegt sehr tief, trotz der – in unseren Augen – wohl eher ungenügenden Hygiene. Es hat mir jedenfalls gezeigt, dass unsere Medizin in vielen Belangen sicherlich viel zu technisch und entsprechend teurer ist. Aber die Leute hier sind auch weniger anspruchsvoll – es ist einfach eine andere Welt. Medizin wie bei uns vor 20 oder 30 Jahren…
Doris hat mir viel über die Geschichte und den ganzen Aufbau und Unterhalt des Spitals sowie den damit verbundenen Problemen erzählt. Sie leistet wirklich gute Arbeit hier, aber die Unterstützung aus der Schweiz ist leider spärlich. Der Spendenaufruf folgt zu gegebener Zeit ;-)
Leider ist die Website derzeit grad in Überarbeitung und nicht zugänglich, sonst könntet ihr euch selber schon mal ein Bild davon machen.
Heute tauchte ich nun in die 3. Neue Welt in Honduras ein. Die Maya-Welt. Ich startete meine „Maya-Tour“ in Copan. Copan ist sehr klein, aber berühmt und einzigartig für die Maya-Skulpturen. Beeindruckend, was die Mayas alles bewerkstelligten. Die Maya-Ära dauerte mehrere Jahrhunderte ja sogar Jahrtausende (ca. 2000 v.Chr. bis 1000n.Chr.) und die Ruinen in Copan sind Zeitzeugen der letzten Jahre vor dem Untergang der ganzen Kultur.
Danach ging’s direkt weiter über die Grenze nach Guatemala, genauer gesagt eine 7-stündige Busfahrt in einem Minivan bis nach Antigua…
Ehrlich gesagt habe ich nicht sehr viel von Honduras gesehen, aber bin trotzdem wortwörtlich in drei einzigartige – und für mich neue – Welten eingetaucht.

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