Um es vorweg zu nehmen, der Titel ist übertrieben: genauer wäre Caye Caulker und Tulum!
Wie bereits geschrieben, fuhren wir direkt von Flores über die Grenze nach Belize-City – was übrigens nicht die Hauptstadt von Belize ist, sondern Belmopan. Belize ist ein ziemlich zivilisiertes Land, mit einem bunten Mix an Ethnien, ist rund halb so gross wie die Schweiz, hat aber gerade mal 300‘000 Einwohner. Hier wohnen Kreolen (Nachfahren afrikanischer Sklaven und britischer Piraten), Mestizen („Mischlinge“ mit europäischen und indigenen zentralamerikanischen Wurzeln), Mayas sowie die Garífunas im Süden des Landes, die von südamerikanischen Ureinwohnern und Afrikanern abstammen. Entsprechend viele Sprachen findet man hier: kreolisch, Garífuna, Spanisch, Maya und Englisch, wobei letzteres kein „reines“ Englisch ist… eigentlich hat man eher das Gefühl, man sei auf Jamaica gelandet… „cool runnings“ lässt grüssen! Das Land hat eine eigene Währung, den Belize-Doller, welcher eigentlich völlig überflüssig ist, da überall mit US-Dollar bezahlt werden kann und der Wechselkurs konstant bei 2:1 liegt…
Belize ist v.a. für Taucher und Schnorchler ein Begriff, denn vor der Küste liegt das zweitgrösste Riff unseres Planeten (nach dem Great Barrier Reef in Australien) und mitten drin liegt das „Blue Hole“.
Von Belize-City ging’s mit dem Boot dann direkt auf die Insel Caye Caulker, um etwas näher am Riff zu sein ;-) Die Insel wurde 1961 durch den Hurrikan Hattie in zwei Teile geteilt und wer nach einem schönen Strand sucht, wird hier nicht fündig – dafür ist der nördlichere Teil sowie die weiter nördlich davon gelegene Insel zuständig. Zum Tauchen und Schnorcheln im Riff brauchte ich dies aber nicht. Bei der Ankunft stand bereits auf einem Schild: „welcome to Caye Caulker – go slow“. So ist es auch. Die Leute hier sind niemals gestresst – ein grosses Steak oder Fisch auf dem Grill mit einem (oder mehreren) Bier, danach einen Joint rauchen und dazu ständig Bob Marley hören und über irgendwelche belanglose Dinge diskutieren oder sich das nächste Tattoo stechen lassen, dazu natürlich der passende Reggae-Hut tragen – das ist Caye Caulker. Natürlich sind Drogen verboten, aber trotzdem besitzt irgendwie jeder irgendein Kraut oder Pulver, das er unter die Touristen bringen will… Die Leute sind und bleiben aber nett auch wenn man ablehnt.
Die Nebensaison bzw. Regenzeit hat auch seine Tücken. Eine Gruppe von vier Leuten erwartete unser Boot bereits am Dock um noch mindestens drei weitere tauchfreudige Leute zu finden, da sonst die Tour zum Blue Hole nicht stattfindet. Que suerte – wir waren drei! Somit war der Tagesausflug für den Folgetag perfekt. Ganze zwei Stunden dauerte die Bootsfahrt. Das Blue Hole heisst so, weil es aus der Vogelperspektive wie ein blaues Loch aussieht. Was ist aber so spannend daran? Das „Loch“ ist eigentlich eine eingestürzte Kalksteinhöhle. Sieben Meter unter dem Boot war also ein „Boden“, quasi das Dach der Höhle und gleich nebenan ging’s 120m in die Tiefe. Schwarz soweit das Auge reicht…etwas unheimlich im ersten Moment, da einfach in dieses schwarze Nichts abzutauchen. Ich drehte mich um und plötzlich waren da drei Riff-Haie – wow, geil. Nochmals umdrehen und da waren’s insgesamt schon sieben – hammergeil!! In etwa 30m Tiefe sieht man dann die riesigen Stalaktiten mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern. DAS ist das sonderbare und einzigartige am Blue Hole! Mal abgesehen davon, dass anscheinend fast immer Haie gesichtet werden! Die Haie begleiteten uns auch noch ein Stück J
Danach ging’s noch zu zwei anderen Tauchspots im Riff, wo wir wiederum Schildkröten, Rochen und hunderte anderer Fische sahen – ein wahres Tauchparadies! Nach einem Tag relaxen, ging ich dann auch noch Schnorcheln. Das Wasser ist sehr seicht hier – auch Kilometer von der Insel entfernt. Das Schnorcheln war viel besser als erwartet! Wir konnten wiederum mit Haien schwimmen, diesmal aber zum Anfassen nahe (jedoch „nur“ kleine also so 1.5-2m lange „nurse-sharks“), ebenso die Stachelrochen! Ja, der Abstecher auf Caye Caulker hat sich wirklich gelohnt; auch für die Sonnenauf- und –untergänge! Einfach Traumhaft.
Von Caye Caulker ging ich dann per Boot direkt über die Grenze nach Mexico. An einem strömenden Regentag waren die Strassen in Chetumal knöchelhoch mit Wasser überflutet…ob da wohl jemand in gewissen Stadtteilen die Kanalisation vergessen hat? Naja, jedenfalls fand der Taxifahrer den Weg zum Busbahnhof und ich fuhr gleich weiter nach Tulum. Tulum ist ein kleines Dorf, das eigentlich nur aus Häusern links und rechts der stark befahrenen Hauptstrasse besteht. Bekannt einerseits für die Ruinen direkt am Meer und andererseits für die „Cenoten“. Ein Cenote ist ein Loch, das durch den Einsturz einer Höhle entstanden ist – auf der Yucatan-Halbinsel existieren hunderte von Cenoten. Ich musste mir natürlich beide „Sehenswürdigkeiten“ anschauen. Das Tauchen im berühmtesten Cenote, dem „dos ojos“ war super. Eine ganz neue Erfahrung, denn die Cenoten sind mit Süsswasser gefüllt und entsprechend kleiner ist der Auftrieb verglichen mit Salzwassers. Zudem war das Wasser kalt – 20°C, nicht 30°C wie sonst überall im karibischen Meer und kristallklar, so dass man von einem Ende zum anderen sehen konnte (sofern genügend Licht in die Höhle drang). Also Neoprenanzug war angesagt und wir waren alle sehr, sehr froh darum. Die Cenoten gleichen sehr einer Tropfsteinhöhle, nur dass man sie nicht zu Fuss begehen kann und es stock finster ist. Leben gibt es da nicht viel drin, nur ein paar Fischchen, Krebse und angeblich auch ein kleines, scheues Krokodil. Nebst den imposanten Formationen war halt der optische Effekt des Lichteinfalls ins kristallklare Wasser einfach wunderschön.
Dann besuchte ich wie gesagt noch die Ruinen. Tulum war wohl in der nach-klassichen Hochblütezeit der Maya eine Hafenstadt. Die Lage mit Ruinen am Meer mit Palmen, Kliffs und Strand ist einzigartig und einfach nur beeindruckend – die Ruinen selbst sind deutlich weniger eindrucksvoll. Man kann hier im Meer schwimmen und die Ruinen über dem Kliff bestaunen.
Während die Sonne hinter den Regenwolken verbogen war, liess ich mir am Folgetag die Haare schneiden J der ältere, verwitwete Mexikaner hatte dies aber gut im Griff, so dass ich mir auch gleich noch meinen Dreitagebart schneiden liess – sehr lustig! Das Bartschneiden dauerte gefühlt etwa doppelt so lange wie die Haare. Fazit: selber Schneiden geht deutlich schneller und wird sauberer. Lustig war’s trotzdem und für rund Fr. 5.- kann man nicht viel sagen. Danach schien dann auch die Sonne wieder und ich konnte doch noch am Strand relaxen. Der Strand hier soll mit Abstand der schönste in der ganzen Umgebung sein, weshalb ich mir die Fahrt nach Cancun, Isla de Mujeres und Playa del Carmen sparte.
Konkrete Reisepläne hatte ich ja nie wirklich, jetzt hab ich aber einen – wenigstens für kurze Zeit. Drum ist jetzt halt abrupt Schluss mit Mexico und ich gönne mir einen Flug Richtung Süden, wo’s weniger warm ist und die Regenzeit in vollem Gang ist. Ich freue mich trotzdem so sehr auf ein Wiedersehen mit Ecuador!
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