Buenos!
Seit gut zwei Wochen bin ich nun also in Costa Rica. Alles ist „pura vida“ hier. Wie geht’s, wie war die Tour, wie war das Essen? Pura vida ist immer eine gute Antwort…
Costa Rica ist flächenmässig etwa 25% grösser als die Schweiz (also immer noch sehr klein), hat aber nur etwa 4.5 Mio Einwohner, sprich verglichen mit uns, nur etwa halb so viele Einwohner pro Fläche.
Die Hauptstadt San José ist ebenfalls sehr klein und überschaubar. Die Hochhäuser wurden jedenfalls nicht hier erfunden – das sind Raritäten hier. Costa Ricas Geschichte spiegelt sich in der Mentalität: sie haben keine… pura vida. Alles ist immer gut und ok, obwohl’s nicht immer so ist. Die „Ticos“ – wie die Costa Ricaner genannt werden – sind sehr hilfsbereit und nett, aber meistens sehr sehr oberflächlich. Es gibt wirklich keine Kultur hier; nichts von archäologischem Wert. Zwei Museen in San José (die grad renoviert werden…), praktisch keine kolonialen Bauten – das gibt es hier einfach nicht mehr…alles zerstört.
Costa Rica ist aber sehr sicher und einfach zu bereisen. Viele Amerikaner hier…die – wie praktisch überall in Lateinamerika – aber nicht unbedingt beliebt sind. Und da die Amis praktisch alle kein Spanisch sprechen, mögen sie jene Touristen umso mehr, die dies können J
Eben, kulturell bietet das Land so gut wie nichts. Dafür bieten sie jede erdenkliche Freizeitaktivität an. Auch gibt es ganz viele „Öko-Tourismus“-Angebote; wobei man eigentlich keinen Unterschied zum Rest spürt – ausser beim Preis. Ja, sie versuchen hier sowieso aus allem eine Attraktion zu machen, sei dies ein Wasserfall oder eine „Ameisen-Zucht/Farm“ – hauptsache man kann eine geführte Tour verkaufen.
Die Landschaft hier ist ausgesprochen grün! Viele Wälder und gras-grüne Wiesen – die Schweiz Zentralamerikas halt ;-) nein echt, sehr schön. Und über 20% der Fläche des Landes steht unter Naturschutz. Die Abholzung der Wälder scheint aber trotzdem weiterhin ein Problem zu sein. Die Böden hier scheinen komplett ausgenutzt zu sein, denn jede einheimische Packung Pasta, Reis etc. ist mit Vitaminen und Spurenelementen angereichert!! Aspirin, Dafalgan, Brufen, Immodium und co gibt’s dafür hier in jedem Supermarkt – für 2-3$US. Ja, Geld, auch so komisch hier. Man kann praktisch immer und überall mit Dollar bezahlen, Rückgeld immer in Colones (liebe Mediziner, ja, die Währung heisst hier so…hab mich noch nicht getraut zu fragen, warum… (-:). Lustigerweise bleibt der Kurs aber +/- stabil, egal wie schwach der Dollar ist. Umso besser für mich :-D
Das Essen hier ist super! Zum Frühstück krieg ich täglich meine Portion frische Früchte mit frischen Säften. Grundsätzlich gibt’s hier aber fast alles zu essen, Burgerking, Subway und co lassen grüssen. Der Einheimischen-Food ist aber viel leckerer, z.B. die fettigen Empanadas… Ich liebe ja aber die „Casados“. Casado heisst eigentlich „verheiratet“. Hier werden Reis, schwarze Bohnen, gebratene Bananen, Salat und Poulet/Rind/Fisch oder Gemüse auf einem Teller „verheiratet“, dazu die leckerste Sauce der Welt, die Salsa Lizano…Fantastisch – und äusserst Nahrhaft!
Hier ist ja „Winter“ – Winter heisst hier aber einfach Regenzeit. Regenzeit wiederum bedeutet, dass es so mindestens einmal täglich regnet. Nachts regnet es praktisch immer mehrmals kurz. Tagsüber ist es oft morgens sehr schön und warm und so zwischen 14 und 16 Uhr lässt es Petrus krachen – er ist da aber sehr flexibel in Intensität und Periodizität ;-) so oft sah ich nun schon schwarz-graue Wolken am Himmel und ich spürte nie einen Tropfen regen – wahrscheinlich verdunstet vieles in dieser Hitze, bevor es unten ankommen sollte… Wenn’s dann aber mal regnet, ist man innert Sekunden bis unter die Haut nass!
Was habe ich nun aber hier gemacht? Nach drei Tagen San José ging’s an den Strand in Manuel Antonio, wo ich dann auch einige Tage blieb, die Feizeitangebote ausprobierte (Kayaking, River Rafting, Canopying) und natürlich einfach einmal nichts tat J ist ein sehr touristischer Ort; entsprechend sind die Preise und das Tourenangebot – aber alles in allem immer noch billig. Das Hostel war direkt am Eingang zum Nationalpark. Der Park bietet eigentlich nichts, was es ausserhalb nicht auch zu sehen gäbe…die Tieren kennen ja die Parkgrenzen nicht. Von den Nationalparks kann man jeweils nur einen kleinen Teil begehen – der Park dient ja den Pflanzen und Tieren, nicht den Touris… aber schon eindrücklich, diese metergrossen Blätter, wie nah diese Titi-Äffchen (das sind diese Pippi-Langstrumpf-Äffchen) kommen oder wer hat schon mal einem Waschbären bei der Nahrungssuche zugeschaut? Faultiere hängen hier auch überall rum :-)
Dann ging ich weiter in den Corcovado-Nationalpark. Also echt, wer nicht da war, der hat wohl das schönste von Costa Rica verpasst… das liegt ganz im Südwesten des Landes. Auch hier reicht der (sub-)tropische Regenwald wieder bis ans Meer und es gibt unglaublich viele Tiere und Pflanzen zu entdecken und dies in einer einzigen Oase der Ruhe. Ich war da in einem „Luxus-Zeltlager“, das einem Amerikaner gehört, der schon seit 35 Jahren hier lebt – Larry (www.corcovado.com). Das „Hotel“ liegt am Rande des Parkes in der Drake-Bucht, aber auch hier kennen die Tiere natürlich die Grenzen des Parkes nicht… hier hausen alle vier in Costa Rica heimischen Affenarten. Der Brüllaffe weckte uns jeweils morgens zwischen 4:00 und 4:30 Uhr mit seinem Gebrüll. Die Titi- und Weissgesichtsaffen tanzten und turnten über unseren Zelten. Die Spinnen-Affen sah ich dann erst im Park. Den berühmt berüchtigten Corcovado-Puma sieht man ja äusserst selten und kaum ein Führer hat ihn jemals schon gesehen. Leider habe ich ihn gerade um eine Woche verpasst… er war angeblich nun schon zum zweiten Mal innert kurzer Zeit bei Larry im Camp (ich hab die „Beweisfotos“ gesehen!!). Das Camp liegt auch an einem Ort, wo es interessanterweise keine Mücken gibt – im Park weiter unten dann schon. Larry bietet auch Kayaks, Schnorchelausrüstung, Buggy-Boards etc zur freien Verfügung an. Hab mir dann ein Kayak genommen und bin morgens um 7:30Uhr los, hab die einsamsten und (fast) unberührtesten Buchten entdeckt und einfach die Wellen auf dem Pazifik genossen.
Die Tagestour in den Nationalpark war dann einzigartig. Schon bei der stündigen Hinfahrt mit dem Boot sahen wir Wale und Delphine. Im Park dann Krokodile, Tucane, Affen, Schlangen, Riesenameisen, Spinnen, diese wunderschönen königsblauen Schmetterlinge und viele Vögel. Ein Tapir konnte unser Führer auch ausfindig machen. Und kaum angekommen, gerieten wir in eine Horde Wildschweine! Die kamen wirklich bis ca. 5m an uns ran, weitere 20-30 Wildschweine waren in der nächsten Umgebung um uns rum. Wir beobachteten uns Gegenseitig etwa eine Viertelstunde lang J das war wirklich eindrücklich – aber stinken tun diese Tiere…ufff…
Am letzten Tag war ich noch mit Larry zum Fischen auf dem Ozean :-) Gefangen hatte er nichts, aber den Einheimischen direkt auf offener See den Fisch abgekauft - Pazifik-Markt. Dabei sahen wir noch zwei sich paarende Wasserschildkröten (siehe Fotos!).
Corcovado ist wirklich ein Paradies! Eine einzigartige Flora und Fauna! Und Sonnenuntergänge…
Nach Corcovado ging ich direkt in den Norden nach La Fortuna, in die Region des Vulkans Arenal (eines der „Wahrzeichen“ Costa Ricas). In der Regenzeit sieht man die Kraterspitze aber auch eher selten – ich hatte aber ein paarmal Glück J das kann aber innert Sekunden ändern.
Fortuna ist ein kleines Touristenkaff wo wiederum allerhand Freizeitaktivitäten angeboten werden. Canopying, Reiten, Squads-Fahren, Biken, Wandern etc. Der Vulkan ist aber leider seit einigen Monaten inaktiv, drum gibt’s aktuell auch keine Lava zu sehen und besteigen darf man ihn sowieso nicht, weil’s zu gefährlich wäre.
Ich werde mich gleich zu den Hot Springs aufmachen und ein bisschen Wellnessen… (ausnahmsweise wohl eher als Abkühlung…).
Die Karibikküste schenke ich mir - die kann ich auch in einem der anderen Länder Zentralamerikas noch sehen, drum fahre ich morgen mit dem Bus zur Grenze hoch nach San Carlos in Nicaragua - adiós Ticos!
Liebe Grüsse und…pura vida ;-)
Pläuschler! Cheers us de Schwiz - bi 36 Grad ^^
AntwortenLöschen